Wenke Michelsdottir
 

Wencke Michelsdottir

Ich stammte ursprünglich aus einer gebildeten Familie auf Bornholm, doch von diesem geregelten Leben habe ich mich abgewandt.   

Meine Kindheit hatte ich im Haus meiner Eltern verbracht, welche im Dorf sehr angesehene Leute waren. Mein Vater Michel war für die Überwachung des großen Drachenbootbaues zuständig, indem fortan die die Männer ihre Fahrten unter der Leitung des Jarls Sven Olafsson antreten sollten um Reichtümer zu erwerben. Meine Mutter Gabria war eine angesehene Glasperlenmacherin, die sich trefflich auf ihr Handwerk verstand. Ihre Ware wurde im ganzen Land und über die Grenzen hinaus gehandelt. Da ich das einzige Kind meiner Eltern geblieben war, genoss ich eine solide Ausbildung im Bogenschießen.

Natürlich lehrte meine Mutter mich auch, buntes Glas über dem Feuer zum Glühen zu bringen und so um einen Stab zu wickeln, dass eine wunderbar runde und glatte Perle daraus entstand. Vor allem aber verstand ich mich auf eines: die Musik. Mein Onkel hatte mir, als ich 12 wurde, eine Leier geschenkt. Seitdem war ich entbrannt für die Klänge, die sich diesem Instrument entlocken ließen. Jede freie Minute, in der ich nicht im Haushalt helfen musste, verbrachte ich mit üben. 

 

Doch an meinem 15. Geburtstag war diese Kindheit mit einem Mal vorüber. Am Morgen noch hatte ich mich über die hübsche Glasperlenkette gefreut, die meine Mutter für mich gemacht hatte, aber jetzt…

Meine Eltern hatten mir immer vorgelebt, freie Entscheidungen treffen zu können, nun jedoch wollten sie mich plötzlich mit Jørge Svensson verheiraten. Sicher, es war ein genialer Hneftaflzug. Jørge war der älteste Sohn des Jarls und es wäre eine große Ehre gewesen… aber ich war wütend! Ich haßte Jørge. Aber vor allem war es nicht meine Art, andere über meinen Kopf hinweg entscheiden zu lassen. Und ich war über alle Maßen enttäuscht von meinen Eltern, die mir immer versichert hatten, ich dürfe meine Zukunft selbst bestimmen.


Plötzlich erschien mir das gesamte annehmliche Leben mit all seinen Vorzügen nicht mehr als erstrebenswert. Ja, es biederte mich geradezu an, dass der Tag immer gleich begann, gleich verlief, gleich endete. Kurzentschlossen wartete ich die Nacht ab, packte meine Laute und griff mir die kostbare Perlenkette, die Gabria mir geschenkt hatte. Dies sollte mein Überleben sichern. Ich stahl keine weiteren Perlen aus der schweren Handelstruhe, denn ich besaß Ehre und Stolz.


 

 

 

 

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Nun, nach dieser Nacht würde ich keine Ehre mehr besitzen, aber meinen Stolz ließ ich mir nicht nehmen. Den Namen meines Vaters legte ich ab. Niemand brauchte mehr zu wissen, welcher Familie ich einst angehört hatte. Einsam streifte ich fortan durch die Lande – sehr gefährlich für eine Maid meines Alters. Doch schließlich war ich nicht wehrlos. Die Stunden, die ich im Wald mit meinem Vater bei Bogenschießen und Messerübungen verbracht hatte, zahlten sich nun aus.

 

Schnell kam mir zu Ohren, dass mein Vater und der Jarl mich suchen ließen und ich verließ die Gegend. Mein Brot verdiente ich mir durch das Leierspiel und wenn mir dies über den Tag nichts eingebracht hatte, so opferte ich eine von Gabria’s Glasperlen, die mir als Tauschmittel dienten. Ich ging sehr sparsam damit um und hob sie für große Notfälle auf. So geschah es nicht selten, das ich unter freiem Himmel schlief, mit nichts als Leere im Magen.

Irgendwann während dieser Reise stieß ich auf Ekkja. Sie weihte mich in die Geheimnisse des magischen Runenlegens ein, während ich im Haus der Witwe verweilte. Nach einer Weile packte mich das Fernweh, und als der Frühling kam, zog ich weiter. Ich schloss mich einer Truppe von reisenden Spielleuten an, die von Hof zu Hof zogen. Mit ihnen verbrachte ich als Bardin die warmen Sommermonde.

Zu Beltane kamen wir in die Gegend von Ribe, wohin uns ein reicher Kaufmann gerufen hatte, um auf der Hochzeit seiner Tochter aufzuspielen. Seine Tochter, Brana Margvisdottir war eine gütige Frau. Sie und ihr Mann Magnus Alfredsson hatten beschlossen, nach der Hochzeit nach Island aufzubrechen, da sie sich dort ein besseres Leben erhofften. Zuerst waren sie zurückhaltend, doch schnell erkannten sie, dass ich mehr war als eine umherstreunende Gauklerin. Wir redeten noch lange an diesem Abend. Am Ende war uns klar, dass ich mit ihnen ziehen würde. 

So warteten wir auf das Ende des Winters und nutzen die Zeit um uns auf die große Fahrt vorzubereiten, dabei stieß eine junge Frau Namens Jodis Ulriksdottir zu uns...

 

 

 

 

 


 
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